| Die Deutsche Woolworth GmbH & Co. OHG, Frankfurt ist die einzige KleinpreisKaufhauskette im Lande. Mit circa 14700 Mitarbeitern in circa 330 Kaufhäusern in Deutschland und zehn in Österreich erwirtschaftete das Unternehmen 2004 einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro. Besonderes Merkmal von Woolworth sind die im Jahr 2002 eingeführten discountähnlichen Strukturen in den einzelnen Warengruppen sowie ein starkes Promotiongeschäft.
UM DIE ANFORDERUNGEN dieses Geschäftsmodells - Discount und Promotion - zu erfüllen, hat Woolworth ein professionelles Supply Chain Management eingeführt und die Lieferkette von den Lieferanten bis in das Verkaufsregal reorganisiert. Insbesondere die Stärkung des Promotiongeschäfts und die damit verbundenen Anforderungen an die pünktliche Lieferung der Waren machte es erforderlich, die Sendungen genauer als bisher zu verfolgen.
Basierend auf einer Rückwärtsterminierung wurden für jede Relation Meilensteine definiert, Ein Supply Chain Event Management System generiert bei jeder Abweichung von den Soll-Terminen automatisch eine Meldung an den entsprechenden Verantwortlichen. Voraussetzung für einen exakten Soll-Ist-Vergleich sind genaue und zeitnahe Informationen über die Sendungen.
Die Analyse existierender Verfahrensweisen bei verschiedenen Dienstleistern machte sehr schnell klar, dass es "das" System nicht gibt. Jeder Dienstleister hat sein System und die Systeme sind untereinander nicht kompatibel Aus diesem Grund wurde unter der Leitung von Woolworth ein neues Verfahren entwickelt, das die Daten in der geforderten Präzision liefert. Dieses System
- baut auf Standard-EANCOM-Nachrichten auf,
- verwendet bei den Statusmeldungen, den Ortsangaben wie auch den Dokumentencodes einen internationalen Standard und
- ist so aufgebaut, dass künftig eine Abrechnung der Seefracht im Gutschriftverfahren möglich ist.
Woolworth führte das Projekt gemeinsam mit Birkart Globistics als Transportdienstleister. stratEDl als IT-Dienstleister und GS1 Germany als Berater durch. Insbesondere die Beteiligung von GS1 Germany stellte sicher, dass das System auf internationalen Standards aufbaut. Dadurch kann Woolworth nicht nur jederzeit andere Partner anschließen, sondern die Transportdienstleister können diese Lösung auch mit anderen Kunden einsetzen.
Das von Woolworth und seinen Partnern aufgebaute System nutzt drei Nachrichtentypen;
IFTMIN - der Speditionsauftrag Mit der Erteilung eines Auftrags an einen Lieferanten wird dem verantwortlichen Transportdienstleister ein Speditionsauf trag übermittelt, aus dem dieser den Versand-Zeitraum und das wahrscheinliche Versandvolumen entnehmen kann. Diese Aufträge werden m der Regel bereits mehrere Monate vor dem Versandtermin platziert. Der Dienstleister kann nun mit diesen Informationen bereits sehr früh seine Transport-und Ladekapazitäten planen. Bei einer eventuellen Änderung des Auftrags wird automatisch eine entsprechende Korrektur versandt.
IFCSUM - die Sammelladungsmeldung Mithilfe der Sammelladungs-Meldung gibt Woolworth dem Transportdienstleister vor,welche Sendungen in einen Container konsolidiert werden sollen - etwa weil sie den gleichen Anliefertermin haben oder für den gleichen Anlieferort bestimmt sind Mit dem gleichen Nachrichtentyp bestätigt der Transportdienstleister eine durchgeführte Konsolidierung. Die Sammelladungs-Meldung wird ebenfalls verwendet, um Container für die Anlieferung im Distribution Center (DC) zu avisieren. Dabei gibt der Transportdienstleister seinen Wunschtermin an.
IFTSTA - der Statusbericht Der Statusbericht gibt Woolworth mindestens einmal täglich Auskunft über den Status der laufenden Aufträge. Außerdem ist er die Antwort auf die Avisierungsmeldung im DC Auf Basis des Volumens wird das Zeitfenster berechnet, das für die Entladung des Containers erforderlich ist. Anschließend werden dem Dienstleister Datum und genaue Uhrzeit sowie DC und Tor mitgeteilt, an dem der Container entladen werden soll. Die Tore sämtlicher DCs sowie jedes Kaufhauses sind über eine Internationale Lokationsnummer (ILN) eindeutig identifizierbar.
Technische Umsetzung Woolworth nutzt für den EDI-Datenaustausch mit seinen Partnern (EDI-classic und WebEDI) das von der stratEDI GmbH betriebene clearingcenter www.cctop.de. Aufgrund der Anforderungen im Rahmen des Tracking & Tracing-Projektes (hohe Verfügbarkeit und Notwendigkeit der sofortigen Konvertierung und Weilerleitung der eingehenden Nachrichten) wurde für dieses Projekt eine eigene Hochverfügbarkeitslösung im cctop-Verbund aufgebaut. Die Lösung ist so dimensioniert, dass monatlich eine Million Nachrichten empfangen, konvertiert und versendet werden können. Darüber hinaus wird Woolworth über das cctop-Extranet die Möglichkeit gegeben, jede Nachricht und jeden Status zusätzlich über das Web zu verfolgen.
Codes for Trade Facilitation Damit es bei der Interpretation der Statider Sendungen keine Missverständnisse geben kann, wurden
- Status,
- aktueller Ort der Sendung und
- die erforderlichen Dokumente
ebenfalls nach einem international gültigen Schlüssel kodiert.
Status der Sendung Grundlagefür die Beschreibung der Stati ist die Liste der Trade and Transport Status Codes der Vereinten Nationen. Jedoch ist bei Verwendung der Stati darauf zu achten, dass EDIFACT-Codes nur dann verwendet werden, falls der erforderliche Code nicht in EANCOM vorhanden ist. Die Ortsangaben Für die Ortsangaben stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung:
- Internationale Lokationsnummer (ILN)
- Location Codes der Vereinten Nationen
- NC TS-Codes der europäischen Zollämter
Mit der International Location Number können in der Regel die Niederlassungen der Transportdienstleister identifiziert werden. Doch gibt es insbesondere im internationalen Seefrachtbereich viele Depots, die (derzeit) nicht über eine ILN verfügen Darum wurde als zweite Möglichkeit die UNLOCO-DE-Liste (Code for Trade and Transport Locations) der Vereinten Nationen gewählt. Insbesondere im Bereich der innereuropäischen Landverkehre kann es jedoch beim Grenzübertritt zu Interpretationsproblemen kommen, wenn zum Beispiel die Orte beiderseits der Grenze den gleichen Namen haben, etwa Rheinfelden. Hier sind die NCTS-Codes der Zollämter eindeutig.
Die Dokumente Um auch die Dokumente eindeutig identifizieren zu können, wurde die Codeliste für das Datenelement 1001 der Vereinten Nationen ausgewählt Darin sind 583 verschiedene Dokumentarten identifiziert, von denen Woolworth circa 30 als für sich relevant ausgewählt hat. Mit diesem Satz von Codes sind in der Kommunikation alle potenziellen Missverständnisse ausgeschaltet. Sowohl der Grund der Verzögerung als auch der Ort wie auch eventuell fehlende Dokumente können anhand international festgelegter Codes identifiziert werden.
Das Gutschriftverfahren Einen zusätzlichen Nutzen bringt die Integration der TCC/CUX Segmente (Segmentgruppe 7) in die SammelladungsMeldung IFCSUM (siehe Change Request CR04-000109). Damit wird es möglich, dem Empfänger der Ware bereits vor Ankunft des Schiffes den so genannten Schiffskurs zu übermitteln. Als Schiffskurs wird der Wechselkurs bezeichnet, mit dem die in US-Dollar berechnete Seefracht in Euro umgerechnet wird.
Das Ergebnis ist ein deutlich beschleunigter beziehungsweise vereinfachter Verzollungsprozess. Läge der Schiffskurs bei der Ankunft im Hafen nicht vor, würde sich die Verzollung und damit die Auslieferung der Ware verzögern oder die Ware müsste mit einem angenommenen Wechselkurs verzollt und später in einem Zolleinspruchsverfahren korrigiert werden. Das Ergebnis Die Deutsche Woolworth hat gemeinsam mit Birkart Globistics, StratEDI und GS1 Germany ein Tracking&Tracing-System entwickelt, das
- auf internationalen Standards beruht,
- jederzeit mit weiteren und anderen Partnern eingesetzt werden kann,
- die Voraussetzung geschaffen hat, mit dem ein Gutschriftverfahren im Bereich der Seefracht überhaupt erst möglich ist.
Woolworth hat dieses Verfahren für alle seine Transportdienstleister zur Voraussetzung einer künftigen Zusammenarbeit gemacht. Es befindet sich mittlerweile bei allen Dienstleistern in der Realisierung. Auch bei engen Zeitplänen sind ungeplante Verspätungen inzwischen die absolute Ausnahme. Problemfälle gibt es fast nur noch bei Sendungen, die nicht von Woolworth überwacht werden können.
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