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Über ECR (Efficient Consumer Response) ist bislang viel geschrieben und noch mehr geredet worden. Die Friedrich Grohe AG & CO. KG mit Sitz in Hemer hat mit drei Partnern den vielen Worten nunmehr Taten folgen lassen. Eine bessere Lieferfähigkeit durch die Vermeidung von Out-of-Stock-Situationen der Produkte und eine Sortimentsoptimierung beim Kunden - auf diesen Nenner bringt Oliver Black, bei Grohe verantwortlicher Projektleiter aus dem Bereich Logistik, die Ziele des Projekts. Den bei Grohe war hinlänglich bekannt, dass die Kunden oft zu hohe Bestände einzelner Artikel haben. Und denen war bislang mit den Mitteln traditioneller Geschäftsprozesse nicht beizukommen. Durch den bedarfsorientierten ECR-Ansatz könne Grohe nunmehr die freien Kapazitäten beim Kunden nutzen, um "das eigene Sortiment breiter und damit gewinnbringender auch für unsere Kunden aufzustellen", sagt Ulrich Wegner, verantwortlich für die Grohe-Logistik. Grundlage der neuen ECR-Ära und automatischen Disposition der Kundenaufträge in Hemer ist die Software Logo-Mate der Dortmunder Remira GmbH. Denn der traditionelle Bestellprozess wird bei ECR praktisch auf den Kopf gestellt; Statt Bestellungen seiner Kunden erhält Grohe jetzt täglich alle notwendigen Daten über die Bestände, den Verkauf, Wareneingang und Reservierungen der Großhändler. Auf dieser Datenbasis sowie vorher abgestimmter Randbedingungen und Lieferkonditionen generiert der Dienstleister jetzt selbst optimale Lieferaufträge für seine Kunden. Was sich technisch einfach anhört, war in anderer Hinsicht durchaus kompliziert:" Es war gar nicht so einfach, für ECR-Geschäftsprozesse überhaupt erst einmal einen Kunden zu akquirieren", sagte Black, obwohl beide Seiten davon profitieren. Daher sind mit Remira und dem EDI-Technologielieferanten StratEDI GmbH aus Schwelm zuerst die wesentlichen Komponenten zusammengestellt und die Datenaustausch-Grundlage Edifact festgelegt worden, um den Kunden ein funktionierendes System vorstellen und anbieten zu können. Außerdem ist ECR in der Branche Sanitär-Heizung-Klima (SHK) eine völlig neue Herausforderung - auch in puncto unternehmensübergreifende Schnittstellen. "Es war von Anfang an klar, dass nur ein normierter Datenaustausch auf Basis von Edifact eine Chance hat", sagt der Projektverantwortliche Black. Zwar habe es einige Handlungsempfehlungen auch aus dem Bereich EANCOM gegeben. Doch die seien nach Meinung von Black wegen der mangelnden Projekterfahrung keine echte Grundlage gewesen. Auf Basis des Editec-Standards, das Edifact-Subset für die SHK-Branche, sind dann verbindliche Normen für den Datenaustausch festgelegt worden, die jetzt als Spezifikation für jeden neuen ECR-Kunden angewendet werden. Die täglich vom Kunden übermittelten Bewegungsdaten gehen in das automatische Dispositionssystem ein. Auf Basis vorher festgelegter Rahmenbedingungen wie Verkaufs- und Liefereinheiten, Preise, Bestell- und Anlieferrhythmen ermittelt das System mit Hilfe mathematischer Verfahren die bedarfsorientierten, optimalen Lieferaufträge. Die vereinbarten Konditionen können dabei individuell für jeden Kunden hinterlegt werden. Mittlerweile nehmen drei Großhändler aktiv an dem ECR-Geschäftsmodell von Grohe teil. Bis Ende des Jahres sollen es bis zu sechs Unternehmen sein. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten einen Pilotkunden zu finden, mehren sich inzwischen die aktive Anfragen von Kunden. Anders als in anderen Branchen mit Konsumgütern, wo ECR-Projekte ohnehin nur mit Großunternehmen laufen würden, sei hier ein ECR-Projekt zwischen mittelständischen Unternehmen in die Praxis umgesetzt worden. Und das ist für den Projektleiter auch deshalb bemerkenswert, weil noch vor gut drei Jahren in dieser Branche der Begriff ECR kaum bekannt gewesen sei. |
| Quelle: Lebensmittelzeitung Nr. 41 / 11.10.2002 |